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Jeder zahlt bald einen Pensionisten

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Jeder zahlt bald einen Pensionisten

Eine Replik auf einen Vortrag des Obmanns des Vereins der Pensionsbeitragszahler Österreichs im Rahmen der "Anlegerwissen" - Roadshow in Innsbruck.

Einige Tage nach meinen Vortrag im Rahmen der "Anlegerwissen - Roadshow" in Innsbruck erschien in der Tiroler Tageszeitung nachfolgender Artikel.
Nachdem mir keine Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Autor gegeben wurde, nehme ich dieser Form dazu Stellung.

TIROLER TAGESZEITUNG

Der Verein der „Pensionsbeitragszahler Österreichs“ prophezeit den Zusammenbruch unseres Pensionssystems. Laut Sozialministerium und der Pensionsversicherung wird es nicht ganz so schlimm.

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Positives, zum österreichischen Pensionssystem gab es von ihm nicht zu hören. So zeigte er anschaulich anhand der Geburtenstatistik der vergangenen 100 Jahre, dass es schon in 20 Jahren Österreich, so wie wir es kennen, nicht mehr geben werde. Dann werden sich die geburtenstärksten Jahrgänge im Ruhestand befinden und das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Pensionisten stark verändert haben. Derzeit liege es etwa bei 3:1. Spätestens in zwei Jahrzehnten würden zwei Erwerbstätige für einen Pensionisten aufkommen müssen, so Worresch. Dazu komme noch, dass die Menschen immer älter werden und darum jeder Österreicher durchschnittlich 25 bis 30 Jahre in Pension sein wird. Worresch rechnete vor, dass dadurch die Pflegekosten derart steigen würden, dass die Altenpflege in Billiglohnländer ausgelagert werden müsse. Damit spricht er die Ängste vieler Österreicher an.

Die "Auslagerung" der Pflege in sogenannte Billiglohnländer ist in Deutschland leider bereits Realität. Ein Artikel im Spiegel (zum Artikel) gibt darüber Auskunft.

...

Für den Direktor der Tiroler Landesstelle der PVA, Christian Bernard, ist die Darstellung Worreschs einseitig und reine Panikmache, mit dem Zweck, die Konsumenten zum Abschluss einer privaten Pensionsvorsorge zu bewegen. „An einer privaten Pensionsvorsorge ist grundsätzlich nichts auszusetzen, einige Produkte werden ja auch staatlich gefördert, aber die Mittel, mit denen hier gearbeitet wird, sind fragwürdig“, warnt Bernard.

Nachdem der Staat das - heute gewohnte - Pensionsniveau nicht annähernd gewährleisten kann, bleibt als einziger Ausweg die Eigenvorsorge.
Welche Lösung soll es denn sonst geben?
Es gab und es wird in Zukunft KEINE Empfehlungen für bestimmte Produkte, Gesellschaften oder Assetklassen geben.
In Interviews habe ich meine kritische Sichtweise zu den heute angebotenen Produkten auch schon klar geäußert:
„Im Augenblick gibt es keine ideale Lösung. Die Branche muss kreativ werden und flexiblere Vorsorgelösungen schaffen.“ Übermäßig lange Vertragslaufzeiten findet er da nur hinderlich: „Innerhalb von 20 bis 25 Jahren wird sich der Finanzmarkt oft ändern. Darauf muss man reagieren können, ohne dass der Konsument Angst haben muss.“
Derzeit minimiere aber jeder Produktwechsel die Rendite. „Eine sinnvolle Lösung ist deshalb nicht produkt-, sondern muss zielorientiert sein“, plädiert er für einen anderen Zugang zur Vorsorge. „Wenn man zum Beispiel einen 20 bis 30 Jahre laufenden Vertrag mit hohen Kosten hat, aber nach fünf Jahren wechseln möchte, sollte es möglich sein, die Abschlusskosten auf den neuen Vertrag zu übertragen.“
http://www.diepensionsbeitragszahler.at/index.php?site=news&detail=33&seite=10

 

„Was mir an der Argumentation des Vereins der Pensionsbeitragszahler nicht gefällt, ist, dass hier so getan wird, als ob ältere Menschen eine Belastung für die Erwerbstätigen sind. Der Generationenvertrag ist aber ein wechselseitiges Geben und Nehmen.“

Ich betone immer wieder, dass der schwelende Konflikt NICHT von den "Alten" zu verantworten ist, sondern von der Politik. Wenn man den "Alten" immer erzählt, es gäbe keinerlei Finanzierungsprobleme, dann ist es nur verständlich, dass diese auf alle Diskussion bez. Pensionshöhe sehr sensibel reagieren.

 

Die Pensionsbezüge seien natürlich geringer als die Erwerbstätigenbezüge, „sie liegen aber derzeit bei Menschen, die ihre 40 Beitragsjahre leisten konnten, bei 70 bis 90 % des letzten Einkommens.

Dann sollte Hr. Bernard einmal die Aussendungen der Pensionsistenverbände lesen. Eine durchschnittliche Pensionshöhe von 90% des Letzteinkommens entspringt wohl eher dem Wunschdenken. Wäre interessant, was die Herren Blecha und Khol dazu sagen, wenn die nächste Verhandlung bezüglich der Pensionserhöhung ansteht. Ich werde sie auf alle Fälle mit dieser Aussage konfrontieren.
Abgesehen davon steht ja auch nicht die Höhe der derzeitigen Pensionen in Diskussion, sondern die Höhe der Pensionen in 30, 40, 50 Jahren.

...

Die Regierungen hätten bisher immer wieder Maßnahmen ergriffen, um die Pensionen zu sichern.

Stimmt. Die Regierungen haben dafür gesorgt, dass in der Zeit, in der die demographische Ausgangsvoraussetzung des Pensionsversicherungssystems geradezu ideal ist - nämlich heute -  die Pensionszahlungen mit Ach und Krach zu finanzieren sind.
Ob DAS die Bevölkerungsgruppe beruhigt, die darauf angewiesen ist, dass das System noch 30, 40, 50, 60 Jahre lang funktioniert (also alle Personen unter 50), ist fraglich.

...

Für Bernard ist das Pensionssystem ein Erfolgsmodell und er ist davon überzeugt, dass die Politik die richtigen Maßnahmen ergreifen wird, damit auch in Zukunft jeder eine Pension erhält: „Wenn das Pensionssystem von der Politik ständig nachgebessert wird, heißt das nicht, dass das System schlecht ist. Vielmehr bedeutet das, dass auf Veränderungen der Rahmenbedingungen reagiert wird.“

Die regelmäßig vorgenommenen Anspruchskürzungen, die die Politik elegant immer als "Pensionsreform" bezeichnet, als "Nachbesserung" zu titulieren zeugt von einer neuen Dimmension der sprachlichen Kreativität.
Abschließend sei gesagt, dass ich den gleichen Vortrag bei der Anlegerwissen Roadshow in den Wiener Börsesäalen gehalten habe. Diese Veranstaltung wurde auch von Vertretern des Konsumentenschutzministeriums besucht und laut Auskunft des Veranstalters als gute Darstellung der Problematik empfunden.